Montag, 11. April 2016

Seide abhaspeln

Nachdem ich bisher die Kokons immer im Kochtopf auf der Herdplatte abgehaspelt hatte, wollten wir endlich einmal den Versuch starten, dies über offenem Feuer zu machen. Gleich vorweg, der Versuch ist gelungen und ich kann damit demnächst auch das Abhaspeln auf Veranstaltungen zeigen.


Um ein wenig Gefühl für die richtige Temperatur zu bekommen haben wir vorsichtshalber Anfangs mit einem Thermometer gearbeitet. Dabei stellte sich dann beim ersten Versuch auch gleich raus, dass knapp 70° zu wenig  waren. Die Seide löste sich noch nicht richtig vom Kokon. Es kann aber auch daran gelegen haben, dass nach 15 Minuten der Seidenleim noch nicht ganz gelöst war.
Etwas hinderlich war auch der leichte Wind den wir zu Beginn hatten. Die feinen Fäden der einzelnen Kokons sind immer wieder am Topfrand und an den Halterungen des Henkels geweht und teilweise dadurch abgerissen. Eigentlich ist diese Arbeit damit für draußen nicht gut geeignet.

 

Bei dem zweiten Versuch lief es dann wesentlich besser. Der Wind war weg und das Wasser wärmer.
Um an die Fäden zu kommen habe ich die Kokons mit einer Bürste betupft und damit die erste Seide aufgenommen. Ca. 50 bis 100 Meter wurden dann von Hand abgewickelt. Es handelt sich hier um Seidenreste, die für minderwertigere Seiden (Schappe) verwendet wird. Was im Mittelalter damit gemacht wurde, habe ich noch nicht herausgefunden.
Wir haben von 15 Kokons die Fäden zusammengefasst. Berichte über das Mittelalter beschreiben oft 6-8 Fasern, aber das war mir dann doch zu dünn.


 
Die Seide haben wir dann über eine Holzstange mit gedrechselter Rille geführt und auf die Haspel gezogen. Dabei vielen Dank an meinen Mann, der wie immer meine Ideen in die Tat umgesetzt und die Haspel plus Führung für die  Seide gebaut hat. Und vielen Dank an Mareike, die fleißig gekurbelt und die Seide abgehaspelt hat.

 

 
Um besser beurteilen zu können, wieviel brauchbare Seide verwertet werden kann, wurde die Haspel mit einem Fahrradtacho versehen. Gut 1000 Meter Faden kamen dabei heraus. Jetzt wird diese weiterverarbeitet und ich hoffe als nächstes das Färben ausprobieren zu können.
 











Donnerstag, 18. Februar 2016

Seide entbasten




Um weiße, glänzende Seide zu erhalten, die zudem gut zu färben ist, muss die abgehaspelte und verzwirnte Seide vom Seidenleim (dem Serecin), befreit werden. Dies geschieht durch auskochen in einer Seifenlösung. Bisher habe ich dazu in der Sekundärliteratur nur wenig gefunden. Anscheinend wurden die Seidenstränge in kleine Säckchen eingenäht, wohl um die empfindliche Faser beim Auskochen zu schützen. In einem weiteren Bericht wird von Buchenaschenlauge geschrieben. Wie dies nun alles wirklich der Verarbeitung im Spätmittelalter entspricht ist wohl nicht mehr genau nachzuvollziehen. 
Da ich aber mit meiner Seide bis zum fertigen Garn kommen möchte, habe ich mich am Sonntag mit Diana getroffen und  paar Versuche gestartet, Seide zu entbasten. Das Ergebnis war anfangs noch nicht ganz zufriedenstellend, aber nach mehreren Versuchen bin ich doch ganz zuversichtlich, zu guten Ergebnissen zu kommen.
Zunächst einmal brauchte ich dazu Seide, die nicht zu arbeitsaufwendig war. Daher haben mein Mann und ich Kokons abgehaspelt, diese ungezwirnte Seide habe ich dann weiterverarbeitet. Diana hat mir geholfen die Seide auf der Haspel gut abzubinden und los ging es. 



Getestet haben wir zwei Varianten, einmal mit Seifenkraut und einmal mit ausgesalzener Seife, die Diana selber hergestellt hatte. Dann haben wir je einen Strang ohne und einen in einem Leinensäckchen eingebunden, in die Seifenlauge gelegt. Nach gut einer halben Stunde haben wir die Seide aus dem heißen Wasserbad genommen.  Mit der Seife hatte sich der Bast teilweise schon ein wenig gelöst. Die Fasern waren etwas weicher geworden, klebten allerdings immer noch zusammen.



Die Ergebnisse mit Seifenkraut waren nicht gut, hier hatte sich der Bast gar nicht gelöst und die Seide wurde zudem grün/gelblich verfärbt.
Mit dieser  Seide habe ich dann einige Tage später einen zweiten Versuch gestartet und sie 90 Minuten in Seifenwasser ausgekocht. Tatsächlich wurde der Kleber entfernt und die Seide schön „luftig“ und reinweiß. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass der Glanz gelitten hat. 



Bei einem weiteren Versuch habe ich neue Seide 60 Minuten einmal im, einmal ohne Säckchen ausgekocht. Dabei hat sich die Seide, die offen im Wasser lag gelblich verfärbt und war sehr stumpf geworden. Die Seide, die geschützt in einem Baumwollsäckchen lag, war dagegen reinweiß und immer noch leicht glänzend. Auf dem Bild sehen die Fasern noch verklebt aus, das liegt daran, dass ich sie nach dem trocknen noch nicht auseinandergezupft habe.



Mit diesen ersten Versuchen bin ich ganz zufrieden und wie es aussieht tatsächlich nicht mehr weit von meinem Garn entfernt.